Times change 1 (Deutsch/Reward) (Patreon)
Content
(WG, XWG, BBW, SSBBW, Slow burn)
Miles lag auf dem Rücken in seinem recht neuen, geräumigen Bett und starrte an die Decke, während das gedämpfte Licht der Nachttischlampe den Raum in ein warmes, goldenes Halbdunkel tauchte und die Schatten der Möbel sanft an den Wänden entlangwanderten. Schatten mit denen er noch nicht völlig vertraut war. Das Erwachsensein und selbst für sein Leben verantwortlich zu sein, setzte sich erst langsam in dem jungen, ehemaligen Studenten fest. Die Wohnung, die er sich nach dem Abschluss und dem Beginn seines ersten richtigen und vor allem gut bezahlten Jobs hatte leisten können, war weit entfernt von dem kleinen Zimmer unter dem Dach, in dem er aufgewachsen war. Ein Verschlag, in dem die Wände so nah beieinandergestanden hatten, dass er manchmal das Gefühl gehabt hatte, sie würden ihn erdrücken. Aber sein Elternhaus war nun mal gewesen was es gewesen war und seine Eltern hatten immer versucht ihm alles zu ermöglichen, was in ihrer Macht gestanden hatte.
Hier gab es jetzt hohe Decken, große Fenster, die tagsüber das Licht hereinließen und abends den Blick auf die Lichter der Stadt freigaben, und genug Platz, um endlich einmal durchatmen zu können, ohne dass irgendetwas zu eng an Miles heranrückte. Doch an diesem Abend fühlte sich der Raum trotz all seiner Weite seltsam eng an, als er das Handy in der Hand hielt und durch die alten Fotos aus der Schulzeit scrollte, die er vor Jahren schon in einem Ordner abgelegt und seitdem kaum mehr angeschaut hatte. Weder hatte er Heimweh, noch war er sonst irgendwie sentimental oder gar melancholisch. Es war immer eine bestimmte Sache oder besser eine Person, welche Miles alle paar Wochen oder Monate zu den Bildern aus dieser Zeit hinzog.
Die Erinnerungen beim Betrachten kamen wie Wellen über ihn, und mit jedem Wischen tauchte ein weiteres Fragment seiner Kindheit und Jugend auf, dass er längst für vergraben gehalten hatte. Da waren die Gruppenfotos vom Sportplatz, auf denen sie alle in verschwitzten Trikots und mit geröteten Gesichtern in die Kamera grinsten. Die Klassenfahrten, die Abende im Park, an denen sie alle zusammen auf der Wiese gesessen und über die Zukunft gesprochen hatten, als wäre sie noch unendlich weit entfernt und gleichzeitig greifbar nah.Und immer wieder, mal dazwischen, selten einmal im Vordergrund, Erin. Nur wegen ihr versank Miles regelmäßig in diesen Erinnerungen und dachte an die Momente, welche er mit diesem tollen Menschen gehabt hatte.
Sie war schon als Kind seine Nachbarin gewesen, das Mädchen von nebenan, mit dem er die Straße entlanggelaufen war, um zur Schule zu gehen, und mit dem er später stundenlang auf dem Dachboden gesessen hatte, während draußen der Regen gegen die Fenster prasselte. Sie hatten sich seit ihrer Kindheit geliebt, das wusste er im Nachhinein mit einer Klarheit, die ihm damals vielleicht noch gefehlt hatte, und doch hatte keiner von ihnen den Schritt gewagt, dem anderen diese Liebe zu gestehen. Stattdessen waren sie nebeneinanderher älter geworden, hatten gemeinsam gelacht, gestritten und geweint. Vermutlich war ihre Verbindung zueinander weit über gewöhnliche Freundschaft hinausgegangen aber der Übergang zu einer echten Liebesbeziehung war nie passiert. Erin und Miles waren sich so vertraut gewesen, wie man es sich kaum vorstellen konnte und hatten alles miteinander unternommen, bis auf die Dinge, welche vorausgesetzt hätten, dass sie sich ihre Liebe eingestanden hätten. Eine merkwürdige Art der Verbindung, die beide immer sehr glücklich, aber auch sehr unsicher gemacht hatte, einen möglichen nächsten Schritt zu gehen. Als das Studium begann und sie in verschiedene Städte zogen, hatten sich ihre Wege still und ohne große Dramatik getrennt, als wäre es das Natürlichste der Welt gewesen. Es war seltsam gewesen plötzlich getrennt zu sein aber die Wirren und Turbulenzen des Studiums und des Erwachsenwerdens hatte die beiden ausreichend abgelenkt, um den Kontakt, trotz ihrer so tiefen Bindung, langsam einschlafen zu lassen. Etwas schade natürlich aber sich nicht ungewöhnlich. Dennoch hatte Mile sie nie vergessen, ganz im Gegenteil. Von Zeit zu Zeit zog Erin seine Gedanken immer wieder zu sich hin.
Jetzt, Jahre später, lag Miles in seiner neuen Wohnung und betrachtete die Fotos, auf denen Erin immer wieder auftauchte, und es war wieder so, als würde er sie zum ersten Mal wirklich sehen. Sie war eher klein im Vergleich zu ihm, mit heller Haut und hellen blonden Haaren, die oft unordentlich um ihr Gesicht fielen und die sie manchmal hinters Ohr strich, wenn sie nachdachte. Dazu diese fantastischen, fast schon mystischen grün-blauen Augen, die bei jedem Lächeln aufleuchteten. Miles hatte sich immer geschämt, wenn er so etwas gedacht hatte. In seinem Kopf war es immer viel zu großspurig und theatralisch gewesen, aber das waren genau die Eindrücke, welche er gehabt hatte, wenn er in diese faszinierenden, funkelnden Smaragde geblickt hatte.
Neben den Augen war es Erins strahlendes Lächeln, was Miles am längsten in Erinnerung behalten hatte, zusammen mit der Brille, die sie trug und die er immer irgendwie sexy an ihr gefunden hatte, weil sie ihrem Gesicht etwas Nachdenkliches und gleichzeitig sehr Attraktives verliehen hatte. Warum er gerade sowas hübsch fand, konnte Miles überhaupt nicht sagen, aber da der junge Mann auch sonst einen manchmal etwas andersartigen Geschmack hatte, was Frauen anging, wunderte er sich darüber herzlich wenig.
Erin war stehts fröhlich gewesen, aber auch immer ruhig geblieben, nie übertrieben aufgedonnert oder „girly“, und genau das hatte ihn an ihr so fasziniert: diese Mischung aus Leichtigkeit und Bodenständigkeit, die sie nie versucht hatte zu verändern, um irgendwem zu gefallen. Rein körperlich war Miles auch immer schon von ihr angetan gewesen. Für ihn war Erin makellos schön. Tatsächlich hatte er ihren Hintern immer besonders anziehend gefunden, der hübsch rund und voll war, während der Rest von ihr eher schlank gewesen war. Diese Kombination hatte etwas Selbstverständliches und Unaufdringliches an sich, das Miles bis heute nicht losließ und das er auf keinem der Fotos übersehen konnte. Oft hatte er sie im Sommer, im Freibad oder bei ähnlichen Gelegenheiten länger gemustert als nötig gewesen wäre, um noch länger diesen klasse Po bewundern zu dürfen.
Er scrollte weiter und blieb bei einem Foto stehen, das sie beide auf der Treppe vor ihrem Elternhaus zeigte. Sie saß eine Stufe höher als er, die Arme um die Knie geschlungen, und lächelte in die Kamera, während er danebenstand und irgendwohin blickte, als hätte er in dem Moment nicht gewusst, wohin mit seinen Gedanken. Miles erinnerte sich an den Nachmittag, an dem das Bild entstanden war: Sie hatten gerade die Prüfungen der Mittelschule hinter sich gebracht und waren erschöpft und erleichtert zugleich nach Hause gekommen, die Rucksäcke noch schwer von Büchern und Notizen, und sie hatten sich auf die Treppe gesetzt, weil drinnen die Eltern schon darauf warteten, dass man ihnen alles erzählte. Er hatte ihr damals fast gesagt, was er fühlte, hatte die Worte schon auf der Zunge gehabt und den Moment gespürt, in dem alles hätte, anders werden können, und doch hatte er geschwiegen, weil er Angst vor der Antwort gehabt hatte und weil er nicht riskieren wollte, das, was sie hatten, zu zerstören. Später, als das Studium begann und sie in verschiedene Städte zogen, war die Gelegenheit endgültig verpasst gewesen, und er hatte sich eingeredet, dass es so besser sei, dass man manches einfach nicht aussprechen müsse, damit es weiterleben könne. Miles war nicht dumm. Er wusste das es einen Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit gab und das erste Schwärmereien in der Schule, wohl selten zu Beziehungen führten, welche für immer hielten. Dennoch war das, was er für Erin empfand, ganz klar eine Sache: Bedingungslose Liebe.
Jetzt, in der Stille seiner neuen Wohnung, überlegte er, ob er ihr nach so langer Zeit einfach schreiben sollte. Die Nachricht könnte kurz sein, etwas Unverbindliches, ein „Wie geht’s dir?“ oder ein Kommentar zu einem alten Foto, das er gerade gesehen hatte, oder vielleicht sogar die Wahrheit, so vorsichtig verpackt, dass man sie auch übersehen konnte, wenn man wollte. Doch je länger er darüber nachdachte, desto unsicherer wurde er. Was sollte er sagen, ohne dass es peinlich oder aufdringlich klang? Was, wenn sie längst jemand anderen gefunden hatte, oder wenn sie sich kaum noch an ihn erinnerte, oder wenn sie sich erinnerte und es ihr unangenehm war? Die Gedanken kreisten, und er legte das Handy beiseite, schaltete den Bildschirm aus und starrte wieder an die Decke, während draußen die Geräusche der Stadt leise an die Fenster drangen aber die Erinnerung an Erin leise und beharrlich in seinem Kopf weiterlebte.
Er dachte an all die Male, in denen sie nebeneinander auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer gesessen hatten und Filme geschaut hatten, die keiner von beiden besonders gut fand, nur damit sie etwas gemeinsam tun konnten. Er dachte an die Nachmittage im Garten, an denen sie die Beete ihres Vaters umgegraben und dabei über Gott und die Welt gesprochen hatten, und an die Abende, an denen sie auf dem Dach des Schuppens gelegen und die Sterne gezählt hatten, obwohl sie beide wussten, dass sie die meisten Namen nicht kannten. Er dachte an die Momente, in denen ihre Hände sich berührt hatten, als sie Bücher austauschten oder als sie sich gegenseitig halfen, etwas Schweres zu tragen, und an das Gefühl, das jedes Mal durch ihn hindurchgegangen war und das er nie benannt hatte. Er dachte an die Tage, an denen sie krank gewesen war und er ihr die Hausaufgaben gebracht hatte, und an die Nächte, in denen er selbst nicht hatte schlafen können und sie ihm Nachrichten geschrieben hatte, dass sie auch noch wach sei, falls er reden wolle. Erin und Miles waren in einer kleinen, behüteten Stadt aufgewachsen. Die perfekte Mischung aus den Neuerungen der modernen Welt wie Social Media und Whatsapp aber auch noch ländlich genug, um sich wirklich zu kennen und während ihrer Kindheit verrückte und alberne Dinge im echten Leben zu erleben.
All das lag aber jetzt hinter Miles, und doch war es gleichzeitig so nah, als könnte er die Hand ausstrecken und die Vergangenheit berühren. Wieder diese theatralischen, wehmütigen Gedanken, die immer nur dann auftauchten, wenn er an Erin dachte. Die Wohnung um ihn herum war still, nur das leise Summen des Kühlschranks drang von der Küche herüber, und irgendwo in der Ferne hupte ein Auto. Miles drehte sich auf die Seite und zog die Decke ein Stück höher, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Stattdessen scrollte er wieder durch die Fotos, blieb bei einem anderen Bild stehen, auf dem Erin lachte, die Brille leicht verrutscht und die Haare vom Wind zerzaust. Dieses Bild hatte Miles selbst gemacht und er spürte, wie Erins strahlende Augen ihn durch den Screen des Smartphones anleuchteten.
Miles fühlte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog, dass er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Er überlegte erneut, ob er schreiben sollte. Tatsächlich öffnete er diesmal sogar seine Instagram App und war kurz davor auf ihr Profil zu gehen. Etwas das Miles vermieden hatte, fast seit dem Zeitpunkt, an dem sie beide zur Uni gegangen waren. Etliche Bilder und Profile, denen er folgte, von süßen molligen, bis dicken Content Creatorinnen, flogen an seinen Fingern vorbei und sie hätten ihm alle in diesem Moment nicht egaler sein können. Eine Gewisse Affinität für üppigere Frauenkörper konnte der junge Mann sicher nicht von sich weisen.
Miles bremste sich im letzten Augenblick und schloss die App wieder. Er wusste einfach nicht, was er sagen sollte, und je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass er es an diesem Abend auch nicht mehr wissen würde.
Stattdessen legte er das Handy endgültig beiseite, schaltete die Lampe aus und schloss die Augen. Die Dunkelheit umfing ihn, und mit ihr kamen die Bilder zurück: Erin auf der Treppe, Erin im Park, Erin mit der Brille und dem strahlenden Lächeln, Erin, die so nah und gleichzeitig so weit entfernt war. Er atmete tief ein und aus, hörte das leise Rauschen der Stadt und ließ die Gedanken langsam zur Ruhe kommen, auch wenn er wusste, dass sie morgen wieder da sein würden.
Erins schöner, weicher Körper und die hübschen, süßen Kurven ihres Hinterns. Wie ihre Haare sich bewegten, wenn sie ging und ihn anlachte. Schließlich schlief Miles ein, und in seinen Träumen war er wieder auf jener Treppe, und diesmal sagte er tatsächlich die Worte, die er damals nicht gesagt hatte, und sie antwortete. Alles war anders in diesem Traum und so wie es wohl immer hätte sein sollen.