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(BBW)

An der Uni 1/2

Stille Wasser sind…


Mario saß in der überfüllten Mensa der Universität und stocherte lustlos in seinem Nudelsalat herum. Mit seinen zwanzig Jahren und dem Studium der Medienwissenschaften hatte er sich eigentlich vorgenommen, das Semester endlich aktiver anzugehen. Mehr Kontakte knüpfen und vielleicht sogar mal über den Tellerrand des Hörsaals hinausblicken. Viel hatte er auf der Uni nicht unternommen seit er hier war und viele Freunde hatte er auch nicht gefunden. Natürlich verstand er sich recht gut mit einigen aus seinen Vorlesungen, aber dabei war es eigentlich auch immer geblieben. Am meisten wünschte er sich aber endlich wieder Kontakt zu einer Frau, am liebsten sogar endlich wieder eine feste Beziehung. Täglich sah er einige hübsche Damen, welche seinen Vorlieben entsprachen, aber Mario hatte schon länger ein besonderes Auge auf ein ganz spezielles Mädchen geworfen. Da er wusste das er gut aussah und auch das er zwar ziemlich ruhig und meistens auch zurückhaltender war, dennoch charmant sein konnte, wenn er wollte, hätte Mario wohl keine Probleme gehabt irgendeine seiner Mitstudentinnen klarzumachen. Stattdessen kreisten, seine Gedanken wieder einmal nur um sie: Emilie.

Sie kannten sich schon seit dem ersten Semester. Hin und wieder hatten sie in Seminaren ein paar nette Worte gewechselt – über Filme, Serien, Animes oder irgendwelche Games. Genau wie Mario, war sie ein ziemlicher Nerd und das hatte sein Verlangen nach ihr in ihm auch über das Optische hinaus verstärkt. Emilie war immer zurückhaltend gewesen, fast schon schüchtern, aber nie abweisend. Mario fand das es gut zu seiner eigenen Art passen würde.

Ihre Stimme war meist leise und sie scheute lieber die große Aufmerksamkeit. Sie hätte fast als komische, verschrobene Außenseiterin gelten können, aber dafür war sie doch noch zu freundlich und meldete sich zu oft in Vorlesungen. Sie wirkte wie der Prototyp eines weiblichen Nerds und ihr Äußeres komplettierte ihre Persönlichkeit dahingehend noch. Stets in weiten Oversize-Hoodies gehüllt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, dazu meistens weite Stoffhosen welche fast jede Form verbargen. Alles natürlich bevorzugt in Variationen von Schwarz.

Unter der fast ständig über den Kopf gezogenen Kapuze, blitzten nur gelegentlich ein paar hellblonde Strähnen hervor, und wenn Emilie den Kopf hob, sah man ihre eisblauen Augen hinter der großen, etwas altmodischen Brille glitzern. Die zwei kleinen Piercings in ihrer vollen Unterlippe gaben ihrem Gesicht etwas rebellisches, das so gar nicht zu ihrer sonstigen Zurückhaltung passte. Mario fand sie faszinierend und sehr schön, auf eine leise, unaufdringliche Art. Emilie war weder komplett Goth, noch ein Emo oder irgendwas dazwischen, aber sie war ebenso wie Mario in all die Games, Comics und unzähligen fiktiven Welten, die es gab, verliebt und das mochte er sehr.

Er war schon länger in sie verschossen aber hatte sich nie getraut, mehr daraus zu machen. Emilie saß meist allein. Beim Essen, in den Pausen, oft mit dem Smartphone in der Hand oder über einem dicken Buch oder ihrem Skizzenblock. Sie schien die Welt um sich herum gerne auf Abstand zu halten.

Heute hatte Mario sich vorgenommen, es einfach zu versuchen und sie etwas persönlicher anzusprechen. Sein Herz klopfte schon, als er sein leeres Tablett abstellte und durch die Reihen der Tische schaute. Er hatte bereits aufgegessen und wollte vor der nächsten Vorlesung zu Emilie. Da saß sie, allein, wie fast immer, selbst bei der ansonsten so vollen Mensa. Ein Buch lag aufgeschlagen vor ihr, irgendein Fantasy oder Science-Fiction Roman, wie er schätzte, und sie las konzentriert, die Kapuze tief über dem Kopf. Daneben stand ihr leeres Tablet, auf dem sich leere Schälchen auf dem Porzellanteller stapelten. Ihre hellblonden Strähnen hingen links und rechts aus der Kapuze und fielen leicht über die Seiten des Buchs. Mario atmete noch einmal tief durch, wischte sich die feuchten Hände an der Jeans ab und ging los.

„Hey… Emilie?“, fragte er, als er vor ihrem Tisch stand, und räusperte sich, als er bemerkte wie viel höher als normal seine Stimme klang. Gott, war er etwa wieder 14 und kurz vor dem ersten Date?

Sie blickte überrascht auf. Ihre eisblauen Augen weiteten sich ein wenig hinter den Gläsern, als sie die Brille etwas hochschob. Was für unglaublich schöne Augen, dachte Mario begeistert und schluckte. Jetzt wo er sich endlich ein Herz gefasst hatte, wurde ihm erst bewusst wie stark er Emilie scheinbar anziehend fand. Der Student war um einiges nervöser als er erwartet hätte.

„Hi.“, sagte Emilie knapp aber lächelte freundlich.

„Darf ich mich setzen? Oder störe ich beim Lesen?“

Sie zögerte zwar kurz, klappte dann aber das Buch zu und schüttelte den Kopf. „Nein, gar nicht. Setz dich gern.“

Mario ließ sich auf den Stuhl gegenüber sinken. Die Nervosität machte seine Kehle eng. Emilie zog ihre Kapuze zurück und ein Schwall hellblonder Haare breitete sich aus. Sie wackelte mit dem Kopf und fuhr sich mit der Hand einmal durch die Mähne, um die Strähnen aus dem Gesicht zu bekommen. Mario unterdrückte es, die junge Frau nur wegen dieser alltäglichen Geste, mit offenem Mund anzustarren. Wie flüssige, weiße Schokolade, flossen die langen Haare jetzt über Schultern und Rücken. Eindeutig spürte er wie sich sein Denken davon entfernte Emilie nur nett, hübsch und niedlich zu finden und sich ein tieferes Verlangen regte.
Nachdem sie ihre Haare neu arrangiert hatte, musterte Emilie erwartungsvoll den jungen Mann ihr gegenüber. Selbst unter dem weiten, schwarzen Hoodie glaubte Mario weiblichere Formen zu erkennen, als er bisher geglaubt hatte. So genau und intensiv wie jetzt, hatte er die junge Frau noch nie angeschaut.

„Du bist immer allein hier und wir haben ja schon ein paar Mal in den Vorlesungen gequatscht. Und… na ja, ich dachte, vielleicht hast du Lust auf Gesellschaft.“ Ein lahmer Einstieg, aber was sollte er sonst sagen.

Emilies Lächeln blieb und sie sagte: „Ich bin meistens lieber allein. Aber klar, kein Problem.“
Mario spürte, wie sein Herz immer noch viel zu schnell schlug, während er auf dem Stuhl gegenüber von Emilie saß. Er versuchte, entspannt zu wirken, aber das fiel ihm gerade schwer. Seine Hände waren ein bisschen feucht, und er wischte sie unauffällig an den Hosenbeinen ab. Emilie schaute ihn mit ihren eisblauen Augen an. Ihr kleines Lächeln wurde zu einem süßen Grinsen, als sie sah, wie er leicht nervös die Lippen zusammenpresste und dann wieder öffnete, als würde er nach den richtigen Worten suchen. Das fand sie irgendwie süß und auch ein bisschen amüsant, weil er sonst in den Seminaren immer relativ ruhig und selbstsicher wirkte, wenn er mal etwas sagte. Sie war zwar immer eine sehr ruhige Person, aber Mario war es jetzt der schüchtern war.

„Also… ich dachte einfach, es wäre schön, wenn wir uns mal außerhalb der Vorlesungen unterhalten könnten.“, sagte Mario. Seine Stimme klang ein bisschen zittrig. Er hasste das gerade sehr, weil er sich so viel sicherer gefühlt hatte, bevor er hier hingegangen war.

Emilie lehnte sich ein Stück auf ihrem Stuhl zurück. Sie musterte ihn einen Moment länger, als es eigentlich nötig gewesen wäre, und sagte dann mit einem leisen Lachen: „Du bist ganz schön aufgeregt, oder? Das ist irgendwie niedlich.“

Mario spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg. Er musste unwillkürlich mitlachen, obwohl er sich ein bisschen blöd vorkam. „Ja… ehrlich gesagt schon mehr als ich dachte. Ich weiß auch nicht genau warum, aber irgendwie ist es so.“ Aber sie hatte gesagt, sie fand das niedlich.

Emilie legte den Kopf schief. Ihr Grinsen wurde noch breiter. „Macht nichts. Ich finde das eigentlich ganz süß. Du musst dich nicht so anstrengen, das richtige zu sagen.“ Nicht nur niedlich, sondern schon süß.
„Wie wärs, wenn wir den cringen Part überspringen und von was anderem sprechen?“, half sie ihm netterweise.

Sie unterhielten sich noch eine Weile über die Vorlesungen und dann über den Science-Fiction-Roman, den sie gerade las. Dabei handelte es sich um einen Teil der Dune-Reihe von Frank Herbert. Als sie zu solchen Themen wechselten, spürte Mario deutlich, wie sich alles entspannte und wie sehr ihm die Unterhaltung gefiel. Außerdem kam ihm ein Ansatzpunkt in den Sinn, wie es jetzt weitergehen könnte, als er auf Emilies Buch blickte.

Irgendwann, als die Mensa langsam leerer wurde und die nächste Vorlesung näher rückte, fasste Mario sich ein Herz. „Emilie… würdest du vielleicht mal Lust haben, was zusammen zu machen? Also außerhalb der Uni und so?“

Emilie blinzelte überrascht und schaute ihn an. Dann fragte sie leise und mit einem leicht ungläubigen Unterton: „Meinst du… wie ein echtes Date?“

Mario nickte und spürte, wie sein Magen sich zusammenzog. „Ja. Genau das meine ich. Falls du möchtest…“

Emilie sah einen Moment lang auf den Tisch. Dann hob sie den Blick wieder. Ein richtiges freudiges Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Ja… das würde ich gerne. Das klingt sehr gut.“
Mario war begeistert und strahlte sie an.
„Hättest du Lust ins Kino zu gehen? Wegen deinem Buch… Der neue Dune läuft ja jetzt gerade an.“
„Nice! Ja super Idee, den wollte ich mir, sobald es geht, anschauen. Ich wollte vielleicht mit meiner Schwester rein aber diese Woche mit dir passt auch gut.“
Jetzt war es an Emilie leicht rot zu werden und sie schob sich wieder die Brille zurecht, während sie auf ihrer gepiercten Unterlippe kaute.
„Ja, würde mich echt freuen, Mario.“, fügte sie dann lächelnd hinzu.

Sie verabredeten sich für den nächsten Freitag. Mario fühlte eine Welle der Erleichterung und gleichzeitig der Vorfreude. Er konnte kaum glauben, dass sie zugestimmt hatte.

In den folgenden Tagen und Wochen sahen sie sich immer öfter in der Uni. Die Gespräche wurden ungezwungener, und sie lachten öfter zusammen. Es fühlte sich an, als würden sie sich schon viel länger kennen. Beide merkten, dass sie einander sehr mochten. Sie tauschten schnell ihre Nummern aus und folgten sich gegenseitig bei Instagram. Abends schrieben sie sich dann, und die Nachrichten wurden stetig länger und persönlicher. Sie erzählten sich von Büchern und Serien und Games und ab und zu auch von kleinen Alltagsdingen. Mario freute sich jedes Mal, wenn sein Handy vibrierte und eine Nachricht von ihr kam.

Ab sofort aßen sie in der Kantine der Uni auch immer zusammen. Mario beobachtete mit einer Mischung aus Amüsement und leichter Verwunderung, wie Emilie ziemlich viel aß und besonders viel Süßes noch dazu. Sie bestellte oft Nachtische und Schokoriegel und trank viele süße Getränke. Er fragte sich manchmal, wo sie das alles hinsteckte, weil sie trotzdem nicht besonders dick wirkte.

Es störte ihn aber keineswegs. Im Gegenteil fand er es irgendwie charmant, wie sie genussvoll aß und sich nicht dafür schämte.

Als sie immer mehr Zeit miteinander verbrachten und öfter nebeneinandersaßen oder zusammen durch die Gänge der Uni liefen, fiel Mario zwischendurch auf, dass Emilie unter den weiten Stoffhosen allerdings einen ziemlich großen, runden Hintern hatte und recht breite Hüften dazu. Die weiten Hosen verbargen das zwar größtenteils, aber wenn sie sich setzte oder wenn der Stoff sich spannte, konnte man es ganz gut erkennen. Er fand das nicht unattraktiv, im Gegenteil. Gleichzeitig dachte er, dass sie ansonsten nicht so dick wirkte, wie man es bei dem, was sie aß, vielleicht erwarten würde. Ihr Oberkörper blieb unter dem Hoodie besser verborgen, aber er stellte ihn sich ebenfalls, weich, zart, weiblich und schön kurvig vor.

Der Freitag kam schließlich. Mario fuhr mit seinem Auto zum Wohnheim von Emilie. Er war wieder etwas nervös, aber diesmal auf eine gute Art. Die bekannten Schmetterlinge im Bauch. Er parkte vor dem Gebäude und sah, dass sie schon draußen wartete und gerade mit jemandem telefonierte. Sie hielt das Handy ans Ohr, lächelte und nickte, während sie sprach. Als sie ihn sah, hob sie die freie Hand und winkte ihm zu. Sie ging herüber und öffnete die Beifahrertür des Wagens.
„Alles klar Mama. Ich geb dir Bescheid, aber natürlich bin ich da. Hab dich lieb.“
Mit einem Seufzen legte sie auf, schob das Handy in die Bauchtasche ihres Hoodies und setzte sich in den Wagen.
„Hi, tut mir Leid. Kann losgehen! Ich hab richtig Bock!“

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